Hallo ihr Lieben!

Heute gibt es mal kein Rezept, sondern heute will ich über ein Thema sprechen, dass mich selbst 5 Jahre lang begleitet hat – nämlich Essstörungen insb. Magersucht und Bulimie.  Jeder von uns kennt sie, manche von uns leiden darunter. Ich selbst litt 5 Jahre an einer Mischform aus Magersucht und Bulimie. Ich möchte hier vor allem die Personen ansprechen, die selbst betroffen sind, bzw. diejenigen die einen Betroffenen kennen. Bitte beachte, dass ich nur  meine Erfahrungen und meine Sicht der Dinge darlegen kann.

Wie kommt es zu einer Essstörung?

Es gibt zahlreiche Gründe warum es zu Essstörungen kommen kann. Sie können in der eigenen Familie oder im Freundeskreis verbreitet sein. Vielleicht wird man wegen seiner Figur von anderen gemobbt. Aber eines der wichtigsten Gründe ist meiner Ansicht nach, das falsche Suggerieren von einem perfekten Körper in den Medien und der Umgebung. Tagtäglich bombardieren uns Fernsehen, Zeitschriften, sowie auch Bekleidungsgeschäfte mit einem „Ideal“ von Körper. Gerade als Jugendlicher können schnell Selbstzweifel entstehen und diese Zweifel wiederum führen dazu, dass der eigene Selbstwert sinkt und man mit sich selbst und seinem Aussehen unzufrieden wird.

Betroffene haben meist ein geringes Selbstbewusstsein, sowie sehr hohe bzw. zu hohe Ansprüche an sich selbst. Die hohen Ansprüche lernen sie entweder zu Hause, oder von ihrem Umfeld. Sie vergleichen sich mit den anderen und glauben, schlechter und nicht so hübsch, und vor allem nicht so viel wert wie die anderen zu sein. Sie fühlen sich dick und unwohl in ihrer Haut. Sie wollen an Gewicht verlieren, um genau so hübsch und soviel Wert zu sein, wie die anderen. Oder sie wollen etwas Aufmerksamkeit, die sie vorher nicht bekommen haben. Und hier beginnt, meines Erachtens, der Teufelskreislauf.

Der Teufelskreislauf beginnt:

Um all diese Gefühle zu kompensieren, werden entweder strikte Diäten eingehalten, oder Unmengen gegessen, die später wieder erbrochen werden. Durch diese Kompensation erlangen die Betroffenen eine Art der Befriedigung und das Gefühl selbst bestimmen zu können und Herr/Frau der Lage zu sein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es dich mit Stolz erfüllt, wenn du es schaffst deine strikte Diät einzuhalten. Das Erbrechen dient meist zum inneren Stressabbau bei den Betroffenen. Zuerst fühlt man sich schlecht, wenn man hochkalorische Mengen an Essen in sich hineingestopft hat und erbricht dann, um sich besser zu fühlen.

Mit der Zeit verliert man an Gewicht, die Waage zeigt eine geringere Zahl. Das gewünschte Gewicht wird erreicht und dann denkt man: „oh, dass ist ja eigentlich ganz einfach gegangen, die nächsten 5 kg schaffe ich auch noch.“ Doch auch wenn dieses Ziel dann erreicht ist, ist man noch immer nicht zufrieden und macht weiter. Man fühlt sich weiterhin dicker als alle anderen, obwohl man eigentlich nur noch Haut und Knochen ist. Und so geht es immer weiter.

Wie eine Essstörung deinen Körper verrändern kann

Ganz abgesehen von der Gewichtsabbnahme, die ja ganz offensichtlich ist, handelt dieser Punkt von sehr sehr unerwünschten Nebenwirkungen, die mit dem dauernden Nährstoffdefizit oder dem dauernden Erbrechen einhergehen können.

Wenn du lange einen Nährstoffmangel durch unzureichende Ernährung ausgesetzt bist, wird dein Körper beginnen, sich die Nährstoffe aus noch vorhandenen Substanzen zu holen. Es kommt zum Haarausfall, dünnen brüchigen Nägeln, blasser Haut etc. Beim Erbrechen sind die Folgen noch weitreichender. Angefangen von Schmerzen der Speiseröhre, durch die die Magensäure mehrmals täglich wandert, über Blut im Erbrochenen, bis hin zum Zahnausfall.

Was ich persönlich aber sehr gravierend finde ist, dass du dir damit dein komplettes Verdauungssystem zerstören kannst. Dadurch das dein Darm keine Nahrung mehr zum verarbeiten hat, kann es passieren, dass du, obwohl du vor deiner Essstörung nie Probleme gehabt hast, Nahrungsmittelunverträglichkeiten entwickelst, die dich dein gesamtes weiteres Leben begleiten können. Durch die fehlende Verdauungsaktivität kann es sein, dass dein Körper die Enzyme und Bakterien die er für die Verdauung von bestimmten Nahrungsmittel benötigt nicht mehr oder nicht mehr in gewünschter Menge produziert.

Ich spreche aus eigener Erfahrung, da sich bei mir durch die Bulimie und Anorexie eine Sorbitintoleranz, als auch eine leichte Glutensensitivität gebildet haben. Bevor ich darunter litt, hatte ich keine Probleme mit irgendwelchen Nahrungsmitteln. Also lass dir bitte von mir sagen, höre lieber damit auf, bevor es soweit ist.

Wie kommt man aus einer Essstörung heraus?

Eines mal vorweg, ein Patentrezept das bei allen hilft, gibt es nicht. Das Wichtigste ist, dass man selbst soweit ist und sagt: „Jetzt reicht es mir!“ Wenn du es nicht selbst willst, wird es auch nicht funktionieren. Auch ich wollte es lange Zeit selbst nicht, da hat nicht einmal der stationäre Krankenhausaufenthalt geholfen. Selbst als mir mein Arzt gesagt hat, dass mein Nährstoffmangel lebensbedrohlich ist, hat mich das nicht davon abgehalten, weiter zu machen.

Ich kann dir nur nahe legen, dass du damit aufhörst. Aber auch, wenn du es selbst willst, ist der Weg heraus alles andere als einfach. Es ist ein Suchtverhalten. Wie bei jeder anderen Sucht musst du dir einen Weg heraus erkämpfen. Frage dich, warum du nichts isst, oder warum du erbrichst. Es wird nicht nur einen Grund geben. Es werden eine Vielzahl an Gründen sein, die dich zu diesem Verhalten veranlasst haben.

Hole dir Hilfe. Ernsthaft, dass ist super wichtig. Alleine wird es nur umso schwerer. Du brauchst dich nicht dafür schämen, eine/einen Psychologin/Psychologe aufzusuchen. Wenn du dass nicht willst, öffne dich deiner Familie und/oder deinen Freunden und sage ihnen die Gründe für deine Essstörung. Es ist wichtig, dass du mit deinen geliebten Menschen offen darüber sprechen kannst, denn sie geben dir die Unterstützung die du brauchst.

Auch die Familienmitglieder und Freunde sollten offen und ehrlich sein und das Verhalten nicht schön reden. Es ist nämlich alles andere als schön. Es ist gestört, tut mir leid für den Ausdruck, aber das bringt es am Besten auf den Punkt. Nichts zu Essen oder sich vollzustopfen und zu erbrechen ist gestört.

Schlusswort

Ich kann dir hier natürlich nur erzählen, was mir geholfen hat. Ich habe auch noch die Waage aus meinem Leben für eine bestimmte Zeit verbannt. Das würde ich dir natürlich auch empfehlen. Die Zahl sagt nämlich nichts darüber aus, wer du bist und wie viel du Wert bist und schon gar nicht soll eine beschissene Zahl dein Leben kontrollieren.

Zum Schluss sage ich dir aber noch, sei vorsichtig und pass auf nicht in eine andere Sucht zu rutschen, oder nun dein Essen mit Sport zu kompensieren. Genieße die Leckereien die es zum Essen gibt, ganz ohne schlechtem Gewissen. Ob man je ganz geheilt ist, kann ich natürlich nicht sagen, da auch ich immer wieder Gedanken habe, die sich darum drehen. Aber da muss man dann stark bleiben.

Und auch wenn du mal eine Rückfall erleidest, stehe wieder auf, bleibe stark und beginne wieder.

Wenn du noch Fragen hast, oder einfach nur reden möchtest, schreibe mir einfach, oder hinterlasse einen Kommentar.

Ich wünsche dir einen schönen Tag.

 

 

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